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Fokida

Die Präfektur Fokida (neugr. Νομός Φωκίδας; altgr. Φωκίς, Fokis oder Phokis) ist eine der 54 Präfekturen in Griechenland. Der Verwaltungssitz der Präfektur (Hauptstadt) ist die Stadt Amfissa, zugleich die größte Stadt der Präfektur.

Die Präfektur Fokida befindet sich in der Mitte des südlichen Festlands von Griechenland und bildet eine Küstenlinie im Süden mit dem Ostteil des Golf von Korinth östlich der Meerenge von Rio-Antirio und westlich des Isthmus von Korinth. Im Westen grenzt die Präfektur Fokida an die Präfektur Ätolien-Akarnanien, im Norden an die Präfektur Fthiotida und im Osten an die Präfektur Viotia (Böotien).

Landschaftlich wird Fokida dominiert durch die hohen Gebirgszüge des Giona (einem der fünf griechischen Berge mit einer Höhe von mehr als 2500 m über N.N.) und des Parnassos (Höhe 2.455 m über N.N.). Das Parnassos-Massiv teilt die Präfektur Fokida in zwei Teile. Der Süden und Osten der Präfektur sind ohne Waldbewuchs und vorwiegend steinig und felsig im Charakter. Das Tal, welches vom Golf von Korinth und der Kleinstadt Itea nach Norden nach Amfissa zieht, ist demhingegen durchgängig landwirtschaftlich genutzt. Grün- und Waldflächen finden sich in Fokidas Westen, Norden und im zentralen Teil der Präfektur.

Im Westen der Präfektur in Richtung Ätolien-Akarnanien und Nafpaktos im Landesinneren gelegen ist der Mornos-Stausee eine dominierende Marke der Landschaft. Der Mornos-Staudamm staut den Fluss Mornos, welcher in den Golf von Korinth fließt, zu einem 1 bis 3 km² großen Stausee auf. Der Stausee wurde in den 1960er Jahren fertiggestellt.

Die antike Landschaft Fokis hatte eine Fläche von 1619 km² und war damit kleiner als die heutige Präfektur. Im Westen grenzte die Landschaft Lokris und Doris an, im Norden Lokris und im Osten Böotien. Da Phokis (Fokida) nicht reich an natürlichen Ressourcen war rührte seine Bedeutung vorwiegend auf religiösen Faktoren: der wichtigste war das Orakel von Delphi, dessen Aufsicht sie zeitweilig inne hatten.

Die Frühgeschichte der Präfektur Fokida ist nicht eindeutig geklärt. Die ältesten Einwohner der antiken Landschaft und heutigen Präfektur waren die Leleger. Ihnen folgten die Äolier nach. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden die Bewohner der antiken Landschaft Phokis bzw. der heutigen Präfektur Fokis als Phoker bezeichnet. Ihre erste Erwähnung als Stamm finden die Phoke bei Homer in dessen Schiffskatalog. Die Phoker bauten in ihrem Gebiet einige Städte. Die bedeutendsten waren: Delphi mit dem gleichnamigen Orakel von Delphi, Abai, Elateia, Amphissa (die heutige Präfekturhauptstadt Amfissa), Antikirrha, Krissa, Daulis, Lilaia, Hyampolis und andere. Die Städte schlossen sich am Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus zur Phokischen Liga oder Föderation zusammen.

Bereits zwischen 600 und 592 vor Christus war Phokis (Fokida) Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Die phokische Stadt Krissa hatte Pilgerscharen des Orakels von Delphi widerrechtlich Wegezoll abverlangt und damit den Zugang zum Heiligtum erschwert, was Kleisthenes von Sikyon in Korinthien, thessalische Kämpfer sowie auch Athen zum Anlass nahmen den ersten Heiligen Krieg gegen die phokische Stadt Krissa zu führen. Der Krieg endete mit der Zerstörung Krissas 592 vor Christus. Während der persischen Invasion Griechenlands 480 vor Christus beteiligten sich die Bewohner Phokis (Fokida) an der Verteidigung Griechenlands. Auf Anstiftung der Thessalier wurde die Landschaft zunächst durch die Perser unter Xerxes I. heimgesucht, was zu einem Bündnis der Phoker mit Athen führte. Ihr Verhalten bei der Schlacht am Thermopylen-Pass führte zur einer Auflösung des Bündnisses mit Athen. Bei der Schlacht von Platää waren die Phoker auf Seiten der Perser zu finden.

457 vor Christus versuchten die Bewohner von Phokis (Fokida) ihren Machtbereich in das dorische Terretorium am Oberlauf des Kephissos (Böotien) mit dessen Hauptstadt Theben auszudehnen. Theben bittet daraufhin Sparta um militärischen Beistand gegen den phokischen Angriff. Diesem Aufruf folgt Sparta und fiel in Phokis ein, um das Kernland der Dorer zu verteidigen und das Orakel von Delphi zu schützen. Zunächst konnten die Spartaner unter ihrem Anführer Nikomedes die Phoker bezwingen. Die Allianz zwischen Theben und Sparta veranlasste allerdings Athen zum militärischen Eingreifen, so dass der Konflikt sich zum Ersten Peloponnesischen Krieg zwischen 457 und 445 vor Christus auswuchs. Zunächst blockierte Athen die Rückzugsmöglichkeit der Spartaner über den Golf von Korinth, was Nicomedes mit einem Zug nach Böotien beantwortete. In Böotien unterlagen die Athener 457 vor Christus unterlagen zunächst den Spartanern bei der Schlacht von Tanagra, lediglich 2 Monate später unterlag das geschwächte spartanische Expeditionsheer Athen bei der Schlacht von Oinophyta und musste sich vorläufig vom griechischen Festland auf die Peloponnes zurückziehen. Der Konflikt schwelte jedoch weiter. Bei einer erneuten Expedition gelang den Spartanern 448 vor Christus die Einnahme von Delphi. Kurze Zeit später konnten die Phoker Delphi von den Spartanern zurückerobern, wobei sie die militärische Unterstützung Athens in Anspruch nahmen. Die unterdessen entstanden Böotische Liga forderte Athen militärisch heraus unter schlug die Athener bei der Schlacht von Koroneia 447 vor Christus. Die Niederlage Athens bewirkte einen Allianzwechsel der Phoker von Athen zu Sparta.

Zum Zeitpunkt des Beginns des Zweiten Peloponnesischen Kriegs (431 bis 404 vor Christus) waren die Phoker wieder auf der Seite Spartas zu finden. Die Kontrolle über Delphi verloren sie im gleichen Zeitraum.

Im 4. Jahrhundert vor Christus wurde Phokis (Fokida) permanent durch den Nachbarn aus Böotien unter der Hegemonie Thebens bedroht. Nach dem die Fokider den Spartanern bei der Invasion Böotiens im Rahmen des Korinthischen Krieges 394 vor Christus behilflich waren, gerieten die Fokider im weiteren Verlauf trotz ihrer Allianz mit Sparta und dessen Hilfestellung in die Defensive gegenüber der zunehmenden Macht Thebens und ordneten sich letztendlich dessen Hegemonie unter. Truppen aus Fokida nahmen an den militärischen Expeditionen der Thebaner unter Epaminondas auf die Peloponnes teil. Auch bei der Schlacht von Leuktra 371 vor Christus kämpften die Phoker auf Seiten der Thebaner gegen Sparta und gewannen mit diesen. An der entscheidenden Schlacht von Mantineia 370 vor Christus beteiligten sich die Fokider jedoch nicht. Die Thebaner warfen den Phokern 356 vor Christus die widerrechtliche landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes der im Ersten Heiligen Krieg zerstörten Stadt Krissa vor. Nach Grote benutzten sie dabei die amphyktionische Liga zum Zwecke der Beseitigung des rivalisierenden und angrenzenden Phokischen Bundes, da neben der widerrechtlichen Nutzung des Gebietes der Stadt Krissa auch eine Grenzverletzung gegenüber dem Nachbaren Böotien diskutiert wurde.[1] Die Thebaner erhielten das Einverständnis der amphytkonischen Liga zum Zweiten Heiligen Krieg 356 vor Christus gegen die Phoker. Die Phoker waren trotz der militären Macht Thebens nicht zu bezwingen und raubten zunächst den umfangreichen Tempelschatz von Delphi, bevor sie Delphi thebanischer Kontrolle überlassen mussten. Unter der Führung zweier fähiger Generäle (Philomelos von Ledon und Onomarchos) und einer Söldnertruppe eroberten die Phoker im weiteren Verlauf Delphi von den Thebanern zurück und trugen anschließend den Krieg sogar nach Böotien hinein. Auch Thessalien wurde von der Phokischen Liga überfallen; der Überfall wurde aber von Truppen des makedonischen Königs Philipp II. nach anfänglichen Niederlagen un d zwischenzeitlichem Rückzug der makedonischen Truppen 352 vor Christus bei der Schlacht auf dem Krokusfeld zurückgeschlagen. Die Phoker verloren in dieser Schlacht ihren Feldherren Onomarchos und erlitten eine schwere Niederlage. Dennoch konnten sie sich über insgesamt 10 weitere Jahre unabhängig halten und Widerstand gegen die Ausdehnung Makedoniens unter Philipp II. leisten. Nach Erschöpfung der finanziellen Reserven konnten sie der militärischen Expansion Philips II. von Makedonien nichts mehr entgegen setzen und unterstellten 346 vor Christus sich dessen Herrschaft (zugleich Ende des Zweiten Heiligen Krieges). Die Stadt Hyampolis wurde im Rahmen der Eroberung von Philipp II. zerstört. Dieser zwang die Phoker zur Wiederherstellung des Tempelschatzes von Delphi sowie die Umsiedlung und Zerstreuung der Bevölkerung auf kleine Dörfer. Der Platz der Phoker in der Amphyktonischen Liga ging verloren, die Makedonen wurden an Stelle der Phoker in diese aufgenommen.

Die von Philipp II. auferlegten Bedingungen, darunter auch die Zahlung von 10.000 Talenten an den Tempelschatz von Delphi, wurden nachfolgend schnell unterlaufen. 339 vor Christus wurde Amphissa (Amfissa), die Hauptstadt der Phokis, der Verletzung des Tempelgebietes von Delphi beschuldigt; erneut wurde die widerrechtliche Nutzung des Gebietes der ehemaligen Stadt Krissa beklagt. Die amphyktonische Liga beauftrage Philip II. von Makedonien darauf hin mit dem Dritten Heiligen Krieg. Nach der Einnahme von Elatea im Norden Phokis (Fokida) sehen Athen und Theben ihre Interessen durch Philipp II. bedroht und stellten sich an die Seite der Phoker gegen die Makedonier. Die Entscheidung in diesem Kampf um die Hegemonie in Griechendland fiel 339 vor Christus bei der Schlacht von Chaironeia. Die Phoker kämpften auf Seiten der griechischen Stadtstaaten unter Athen und Theben und verloren die Schlacht. 338 vor Christus endete der Dritte Heilige Krieg auf dem Gebiet von Phokis (Fokida) mit der Niederlage der Phoker. Amphissa und Naupaktos (heute: Nafpaktos) wurden zerstört, Phokis (Fokida) unter die Herrschaft des Königreich Makedoniens. 323 vor Christus beteiligten sich die Phoker am Lamischen Krieg gegen den makedonischen Statthalter Antipater und verloren diesen mit den anderen griechischen Stadtstaaten. 313 vor Christus eroberter Antigonos I. aus dem Diadochenreich Phygrien Phokis (Fokida) von Kassander im Rahmen der Diadochenkriege. Anschließend fällt Phokis (Fokida) wieder an Kassander zurück bis dieser 305 vor Christus einem Bündnis von Athen und den Ätoliern bei Elateia unterliegt.

Der 370 vor Christus gegründete Aitolische Bund im Westen von Phokis expandierte ab Beginn des 3. Jahrhunderts vor Christus auch nach Osten in die Landschaft Phokis. 290 vor Christus gewinnt die Ätolische Liga zeitweilig die Kontrolle über Delphi und Phoker. Diese vermögen die Herrschaft des Aitolischen Bundes im weiteren Verlauf wieder abzuschütteln. Sie verteidigen 279 vor Christus mit anderen Griechen beim Thermopylen-Pass sich gegen den Einfall der Kelten (Galater). Bei der nachfolgenden Schlacht bei Delphi beteiligen sich die Phoker auf Seiten der Griechen gegen die Kelten und gewinnen die Auseinandersetzung. In Anerkennung ihres Beitrags werden die Phoker wieder in die amphyktionische Liga aufgenommen.

198 vor Christus eroberte Titus Quinctius Flamininus im Rahmen des Zweiten Makedonischen-Römischen Krieges die Stadt Hyampolis im Norden von Phokis. Nach der Schlacht von Kynoskephalai 197 vor Christus mit der vernichtenden Niederlage der Makedonen unter Philipp V. gegen die Römer mit Unterstützung des Aitolischen Bundes zogen sich die Römer allerdings aus Griechenland und damit Phokis wieder zurück. Dieses nutzte die Ätolische Liga und annektierte 196 vor Christus das Gebiet von Phokis (Fokida) bzw. der Phokischen Liga. Erst nach Unterwerfung Griechenlands durch das Römische Imperium wurde unter Kaiser Augustus die Phokische Liga reaktiviert. Allerdings war Fokis Bestandteil der römischen Provinz Achaia. Der letzte Nachweis der Existenz der phokischen Liga datiert auf die Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan.

Anschließend war die Region von Phokis (Fokida) von untergeordneter geschichtlicher Bedeutung. Da sie weder reich an damals nutzbaren Bodenschätzen war, noch strategisch wichtige Positionen inne hatte, noch große Bevölkerungszahlen aufwies und das Orakel von Delphi durch Christianisierung an Bedeutung endgültig verlor, ereigneten sich keine wichtigen oder signifikanten geschichtlichen Ereignisse auf dem Gebiet Fokidas. Entsprechend den anderen Regionen Griechenland Phokis (Fokida) ab 395 nach Christus Bestandteil des zunächst Oströmischen Reiches, später (in fließendem Übergang) Bestandteil des byzantinischen Reiches.

Wie das übrige Griechenland fiel Phokis (Fokida) zwischen 1400 und 1453 nach Christus unter die Herrschaft des Osmanisches Reiches und blieb bis zum Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskampfes 1821 unter osmanischer Kontrolle. Mehrere Personen aus der Region der Präfektur Fokida nahmen am griechischen Unabhängigkeitskrieg gegen die osmanische Besatzung von 1821-1829 teil: Salonon Isaiah, Athanasios Diakos, Androutsos, Panougias, Diobouniotis, Trakas, Gouras, Mitropoulos und weitere Angehörige der griechischen Unabhängigkeitsbewegung. Am 10. April 1821 wurde die Burg von Amfissa erobert, was auch heutzutage noch mit einem Volksfest gefeiert wird.

Während des Zweiten Weltkriegs unter italienischer und deutscher Besatzung (1941-1944) wurde die Region von Fokida Schauplatz mehrerer Strafaktionen der Besatzungsmächte in Form von Niederbrennungen von Dörfern wie Agia Efthimia, Vounichora und Segditsa sowiee Exekutionen. Diese Strafaktionen gründeten sich auf die starke Partisanenaktivität, welche durch die gebirgige Landschaft stark begünstigt wurden. Fokida war auch Schauplatz im Griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949.

Source unter GNU License von: http://de.wikipedia.org/wiki/Fokida 

 

 

 

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